Fernwärme
Geschichte der Fernwärme in der Schweiz (mit Ergänzung Gemeinde Rüti ZH)
Im Jahr 2026 blickt die Schweiz auf 100 Jahre Fernwärmegeschichte zurück. Seit der Inbetriebnahme des ersten dokumentierten Fernwärmeverbunds im Jahr 1926 in La Chaux-de-Fonds hat sich die Fernwärme von einer lokalen technischen Lösung zu einem zentralen Pfeiler der Schweizer Energie- und Klimapolitik entwickelt.
Pionierphase (1920er–1950er Jahre)
1926 wurde in La Chaux-de-Fonds der erste Fernwärmeverbund der Schweiz in Betrieb genommen. Wärme wurde zentral erzeugt und über ein Leitungsnetz an mehrere Gebäude verteilt. Dieses Jahr markiert den Beginn der organisierten Fernwärmeversorgung in der Schweiz.
In den folgenden Jahrzehnten entstanden weitere Nah- und Fernwärmeanlagen, vor allem bei Industriebetrieben, Spitälern und öffentlichen Einrichtungen. Die Systeme blieben jedoch lokal begrenzt.
Ausbau durch Kehrichtverbrennung und Urbanisierung (1950er–1970er Jahre)
Ab den 1950er-Jahren wurde die Nutzung von Abwärme aus Kehrichtverwertungsanlagen immer wichtiger. Städte wie Zürich, Basel und Bern begannen, die entstehende Wärme systematisch für Heizzwecke zu nutzen.
Fernwärme etablierte sich zunehmend als effiziente Ergänzung zur städtischen Infrastruktur, besonders in dicht bebauten Gebieten.
Energiekrisen und politische Verankerung (1970er–1990er Jahre)
Die Ölkrisen von 1973 und 1979 führten zu einem grundlegenden Umdenken in der Energiepolitik. Versorgungssicherheit und Energieeffizienz rückten in den Vordergrund.
Bestehende Fernwärmenetze wurden ausgebaut, neue Projekte realisiert. Mit dem Umweltschutzgesetz (1985) und dem Energiegesetz (1998) schuf der Bund rechtliche Grundlagen zur Förderung von Abwärmenutzung und effizienten Wärmesystemen.
Fernwärme als Teil der Energiewende (2000–2010)
Ab den 2000er-Jahren wurde Fernwärme verstärkt als Instrument zur Reduktion von CO₂-Emissionen eingesetzt. Der Einsatz von Biomasse, industrieller Abwärme und Kraft-Wärme-Kopplung nahm deutlich zu. Fernwärme etablierte sich als zuverlässige und langfristige Lösung für städtische, mittelgrosse und ländliche Gemeinden.
Energiestrategie 2050 und Ausbau (ab 2011)
Mit der Energiestrategie 2050 erhielt die Dekarbonisierung des Gebäudesektors hohe Priorität. Kantone und Gemeinden fördern Fernwärme gezielt, neben klassischen Wärmequellen kommen zunehmend erneuerbare Energieträger wie Holzenergie, Grosswärmepumpen sowie Umweltwärme aus Wasser, Prozessabwärme und Boden zum Einsatz.
Fernwärme in der Schweiz heute
- Anzahl: knapp 1’400 Fernwärmenetze bzw. Wärmeverbünde in Betrieb.
- Bedeutung: Sie decken rund 8 % des nationalen Wärmebedarfs ab.
- Wärmequellen: Über 60 % sind Holzwärmeverbünde, ca. 35 % stammen aus Kehrichtverwertungsanlagen.
- Wachstumspotenzial: Ausbau von heute ca. 9 TWh auf bis zu 18 TWh bis 2050.
- Struktur: Von grossen städtischen Netzen bis zu kleinen Dorfverbünden.
Hundert Jahre nach dem ersten Fernwärmeverbund zeigt sich: Fernwärme ist ein zentraler Pfeiler der Schweizer Energiewende, da sie CO₂-Emissionen reduziert, erneuerbare lokale Energiequellen nutzt und Versorgungssicherheit bietet. Fernwärme ist nicht nur eine städtische Lösung, sondern für Gemeinden jeder Grösse eine zukunftssichere, klimafreundliche Wärmeversorgung. Projekte wie der Energieverbund Rüti ZH verdeutlichen dies eindrucksvoll.
Fernwärme in der Gemeinde Rüti ZH (2020–heute)
- 9. Februar 2020: Planungskredit für den Energieverbund Rüti Zentrum genehmigt und das Volk stimmt gleichzeitig dem Aufbau der kommunalen Wärmeversorgung an der Urne zu – der eigentliche Startschuss für die Fernwärme in Rüti.
- 2023–2025: Bau der Energiezentrale und der ersten Fernwärmeleitungen.
- 1. Oktober 2025: Erste Wärmelieferungen an Gebäude und Liegenschaften.
- Heute: Schrittweiser Netzausbau; Rüti setzt auf nachhaltige, lokale Wärmeversorgung.
Der Energieverbund Rüti Zentrum nutzt konsequent lokal verfügbare, erneuerbare Energiequellen wie Holz, gereinigtes Abwasser, Sonnenenergie und Abwärme. Darunter auch die Prozessabwärme des Krematoriums für die Wärmeproduktion. Damit wird nicht nur fossile Energie ersetzt, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Verringerung der CO₂‑Emissionen geleistet.
Durch diese innovative Nutzung verschiedenster erneuerbarer Energien wurde der Energieverbund als Vorzeigeprojekt gewürdigt und erreichte einen Podestplatz bei der renommierten Energiepreisverleihung „Watt d’Or“ des Bundesamts für Energie. Ein sichtbares Zeichen für seine Bedeutung auf nationaler Ebene.